Versandkostenfrei bestellen ab einem Bestellwert von 99€.

Jagdethik und Waidgerechtigkeit

Jagdethik und Waidgerechtigkeit


7 Minuten zu Lesen

Schon seit Jahren – wenn nicht sogar Jahrzehnten – werden Stimmen laut, die die Abkehr von Massentierhaltung und dem Essen von Fleisch fordern. Neben dem Problem der Klimaerwärmung, das mit unserem übermäßigen Konsum zusammenhängt, geht es bei vegetarischer und veganer Ernährung nicht zuletzt um ethische Aspekte. Unnötiges Tierleid durch riesige Ställe, in denen Tier an Tier gepfercht wird, unzureichende Hygiene und mit Hormonen und Zusatzstoffen vollgepumptes Futter sind nur einige der Punkte, die dabei kritisiert werden. Bei vielen schlägt dieser Gedanke noch ganz andere Triebe. So gehen manche Aktivisten davon aus, dass es unmöglich ist, Tierleid zu vermeiden und gleichzeitig Tiere zu töten. Wir sind da anderer Meinung. Die Jagd und das Töten von Tieren müssen bestimmten Regeln unterliegen, die es zu beachten gilt. Wir als Jagdliebhaber und Fleischesser sind darauf bedacht, möglichst schnell und schmerzlos zu töten. Gleichzeitig ist es uns wichtig, einen natürlichen Tierbestand beizubehalten. Deswegen ergeben sich zunehmend Überlegungen zum ethischen Umgang in der Jagd, die im Laufe der Jahre immer wieder durch neue Gedanken ergänzt werden. Wir haben uns die Grundlagen der Jagdethik einmal genauer angesehen.

Bild unserer Gründer Tobias und Fabian.



Der erste Grundsatz leuchtet allen mit Sicherheit ein: Tiere sind ein Teil der Natur, genau wie wir es sind. Deswegen ist es wichtig, auf sie zu achten und ihre Lebensräume und Lebensumstände zu bewahren. Wenn der Lebensraum für Wildtiere knapp wird, so sterben nach und nach immer mehr Arten aus und hinterlassen ein Vakuum in der Natur, das nicht mehr gefüllt werden kann. Somit müssen wir als Jäger darauf achten, stets verhältnismäßig und nicht nur aus Spaß am Abschuss zu jagen. Wir Menschen sind laut dem moralischen Grundsatz der Jagdethik nicht mehr wert als Tiere und dürfen uns nicht über sie erheben, da dies negative Effekte für uns alle mit sich bringt.
Um abzusichern, dass dieses Verhältnis und dieser Grundsatz immer bestehen bleiben, ist in der Jägerprüfungsordnung ein signifikanter Teil der Ethik gewidmet. So wird festgelegt, dass ethisches Jagen und dementsprechend ethisches Töten immer bestimmten Vorgaben folgen muss und es keinen eigenen Ermessensspielraum diesbezüglich gibt.

Dazu gehört auch, sich nicht an alten Traditionen und Bräuchen zu orientieren, sondern eben den gesetzlichen Vorgaben zu folgen, die durch die jeweilige Prüfung abgefragt werden. Stierkämpfe beispielsweise stehen schon seit langer Zeit in der Kritik, weil der Stier hier unnötig gequält wird und das ganze Spektakel nicht einer gerechten Tötung dient, sondern meistens nur auf Unterhaltung hinausläuft. Jagd darf nicht zur Show werden, sondern muss mit Sinn und Verstand erfolgen. Zwar hat der Stierkampf eine lange Tradition, diese Art der Jagd, die innerhalb eines Stadions bzw. einer Arena erfolgt, ist aber moralisch kaum vertretbar.

Zu ethischem Verhalten gehört auch, eine Treibjagd nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Ist ein Tier erschöpft und ohne äußere Gefahren zum Abschuss freigegeben, so sollte der Abschuss auch erfolgen. Das gejagte Tier darf nicht bis in den Erschöpfungstod gehetzt werden, um sein Maß an Panik möglichst gering zu halten. Andernfalls handelt man unmoralisch. Nach einer Jagd sollte außerdem immer nach eventuell versprengten Wildtieren gesucht werden, um leidende Tiere mit einem Gnadenschuss zu erlösen.

Wichtig ist auch, den Mutterschutz zu wahren. Dies dient sowohl praktischen Prinzipien als auch der Moral. Eine Familie darf in keinem Fall auseinandergerissen werden. Elterntiere, die für die Aufzucht ihrer Jungen nun einmal nötig sind, sollten geschützt und nicht abgeschossen werden. Aus diesem Grund gibt es festgelegte Ruhezeiten rund um Paarung und Aufzucht sowie für einige Arten eine Winterruhe, die von oberen Instanzen festgelegt ist. 

Genauso wichtig wie die Wahrung der Artenvielfalt ist es, schädliche Arten einzudämmen, um den Fortbestand anderer Tierarten zu gewährleisten. So muss etwa die Fangjagd, also die Jagd in Kombination mit der Nutzung von Fanggeräten, für schädliche Arten wie den Waschbären oder den Mink gewissenhaft durchgeführt werden. Andernfalls werden die Lebensräume friedlicher und hier heimischer Tiere zerstört und die Artenvielfalt reduziert sich. Die Aufgabe des Jägers ist es also auch an dieser Stelle, Lebensräume zu schaffen, die den Tieren bestmögliche Umstände für Aufzucht, Leben und Fortbestand sichern.

Um die Lebensräume langfristig sauber zu halten, gilt es auch, Kadaver und nicht genutzte Teile des erlegten Wilds fachgerecht zu entsorgen und bestmöglich zu nutzen. Ist ein Tier gestorben, so sollten alle verwertbaren Teile im Rahmen unserer Möglichkeiten verwertet werden. So lassen sich die Bedenken von Tierschützern geringhalten, da nach dem Abschuss eines Tiers gesichert ist, dass es nicht umsonst gestorben ist, sondern einen Mehrwert für uns bietet – und das betrifft vor allem den Nutzen als Nahrung.

Abschließend gilt es, noch einmal Folgendes festzuhalten: Ein Jäger muss sich ständig weiterbilden, wie es auch bei jedem anderen Beruf oder Hobby zu empfehlen ist. Unsere Jagdausbildung ist zwar durch hohe Anforderungen gesichert und stellt ein gutes Fundament für das Wissen um die Jagd dar, doch ein Jäger lernt nie aus. Ein Jagdschein ist dabei ähnlich zu sehen wie ein Führerschein: Dieser bietet zwar die Grundausbildung, um ein Auto bestimmter Klassen führen zu dürfen, aber dennoch muss man immer abwägen, ob die Kenntnisse zum Fahren noch ausreichen oder ob eine Auffrischung nötig ist. Ansonsten kommt es durch mangelndes Wissen schnell zu Unfällen sowie zur Gefährdung von sich selbst und anderen.
Genauso ist es auch beim Jagdschein. Er berechtigt zum Jagen und sorgt für die nötigen Grundkenntnisse, dies ist aber bei weitem nicht alles. Jäger müssen sich immer wieder über neue ethische Methoden der Jagd informieren, sie dürfen nur geeignete Hunde als Jagdhunde einsetzen und sollten vorsichtig im Umgang mit dem Wald, seinen Tieren und deren Lebensraum sein. Sonst gefährden sie die Wildtiere und unter Umständen auch sich selbst. Fortbildungen sind deswegen richtig und unabdingbar, um nie den Anschluss zu verlieren.

Details wie die Waffenpflege und Umgebungskenntnis gehören mindestens genauso zur Jagdethik und zum moralisch vertretbaren Töten wie das Jagen der Tiere selbst. Im Zweifelsfall müssen wir uns daher immer jene Frage stellen, die auch sonst die Suche nach der Moral bestimmt: Ist es richtig, was ich hier tue? Falls es nicht richtig ist, was kann ich tun, um das zu ändern und mich zu bessern?
Jagen bedeutet Empathie, Achtung vor anderen Lebensformen und schließlich auch Achtung vor sich selbst.

« Zurück zum Blog