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Bio-Wildfleisch: Warum ist euer Wildfleisch nicht ‚bio‘?

Bio-Wildfleisch: Warum ist euer Wildfleisch nicht ‚bio‘?


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Eine Frage, die wir immer wieder hören, ist die, warum wir kein Bio-Wildfleisch anbieten. Wenn man bedenkt, dass sich Wildtiere im Wald ja naturgemäß von ihrer Umgebung ernähren, sollte doch das Wildfleisch aus der Jagd logischerweise bio sein, oder? Die Realität ist leider deutlich komplizierter. Bei den Attributen ‚biologisch‘ und ‚ökologisch‘ handelt es sich um geschützte Begriffe mit recht spezifischen Anforderungen, die leider nicht zu der Realität von Jagd und Wildfleisch passen. Warum es trotzdem ‚Bio‘-Wildfleisch gibt und weshalb das nicht unbedingt für Tierwohl oder bessere Qualität steht, erklären wir hier.

Bio Wildfleisch : Tobias erklärt weshalb wir es nicht haben.

Von ökologischen Lebensmitteln spricht man üblicherweise dann, wenn diese eine geeignete Zertifizierung tragen, beispielsweise das EU-Öko/Bio-Siegel. Diese Zertifizierungen haben unterschiedliche Anforderungen, wie etwa, dass alle Zutaten, die in solch einem Produkt zum Einsatz kommen, selbst bio-zertifiziert sind. Bei Fleisch umschließt das logischerweise auch das Futter, das dem Tier gegeben wurde. Und genau hier wird es kompliziert. Denn während der Schweinemäster in seiner Industriezucht genau weiß, was seine Tiere fressen, ist das beim Jäger etwas schwieriger. Selbst wenn der Jäger im Rahmen der Äsung Bio-Futter verwendet, heißt das ja nicht, dass sich eine Wildsau beim Durchmarsch eines konventionellen Feldes nicht auch mal dort bedienen könnte. Ausschließen lässt sich das natürlich nicht. Daher kann Wild, dass vom Jäger ganz regulär im Wald erlegt wird, nicht bio-zertifiziert sein. 

Doch warum werden dann manchmal Bio-Hirschfleisch und Bio-Reh, Bio-Wildfleisch angeboten? Nun, hier kommen wir zu einer wichtigen Unterscheidung. Denn neben dem normalen Wild, das einfach im Wald lebt und gegebenenfalls bejagt wird, gibt es auch noch das sogenannte Gatterwild. Wer bereits Urlaub in den Alpen gemacht hat, hat das vielleicht schon einmal gesehen. In mehr oder weniger großen umzäunten Gebieten werden hier majestätische Hirsche, Damwild oder Rehe gehalten. Wer diese etwas länger beobachtet, wird leider feststellen, dass sich diese Tiere nicht ganz so artgemäß verhalten. Während Rehe in der Natur extrem scheu sind und beim ersten Anzeichen von menschlicher Regung die Flucht ergreifen, steht Gatterwild oft wie erstarrt da, selbst wenn Wanderer nah an ihr Gatter heranrücken. Kritiker der Gatterhaltung bemängeln diese Art der Aufzucht daher oft als nicht artgerecht. 

Und nicht nur bei der Haltung, auch beim Geschmack muss man hier Abstriche machen. Denn der Vorteil von Gatterwild, nämlich die bessere Kontrolle über die Ernährung der Wildtiere, kann eben auch ein Nachtteil sein. Während die stärkere Kontrolle es Gatterwild-Züchtern erlaubt, reines Bio-Futter zu verwenden und dann auch als Bio-Unternehmen zertifiziert zu werden, verwenden viele Züchter dabei unterschiedliche Anteile von Bio-Kraftfutter. Zusammen mit der mangelnden Bewegung der Tiere führt diese Ernährung nicht nur dazu, dass Fleisch von Gatterwild tendenziell schneller Fett anlegt, sondern bewirkt auch, dass der Geschmack des Fleischs weniger reich ist. Denn die vielfältige Ernährung von allem, was der Wald hergibt, schlägt sich eben auch im Geschmack nieder. Hier mehr zum Geschmack vom Wildfleisch. Wir finden im echten Wild die intensiven Noten des Waldes wieder, so würzig wie die Luft im Waldesgrund. Kein Kraftfutter, sei es noch so ökologisch produziert, kann das ersetzen. Wir Wildschytzen sehen diese Art der Aufzucht daher auch nicht als echtes Wild an und vertreiben selbst kein Gatterwild, sondern lediglich Wild aus freier Jagd.

Bio Wildfleisch - Gatterwild ist also, auch wenn es bio-zertifiziert daherkommt, nicht unbedingt ‚besser‘ – außer vielleicht, wenn einem lediglich die Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln wichtig ist. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass wir dann eben nicht mehr von Jagd und Wild sprechen, sondern von klassischer Nutztierhaltung.  

Darüber hinaus müssen auch alle Teilnehmer der Lieferkette nach den gleichen Standards zertifiziert sein. Das ist bei den Dutzenden mehr oder weniger offizieller und beliebter Siegel gar nicht so einfach. Manche Zertifizierungen sind kompatibel, sie erkennen sich also gegenseitig an, andere dagegen nicht. Um eine Zertifizierung zu erlangen müsste die gesamte Lieferkette vom Jäger über den Wildzerleger bis hin zu uns nach dem gleichen Standard zertifiziert sein oder jeder Lieferant müsste eine Unzahl unterschiedlicher Bio-Zertifizierungen umsetzen. Ein teurer Dokumentationswahnsinn wäre die Folge.

Heißt das dann im Umkehrschluss, dass Wild nicht ‚bio‘ ist?

Während das regulatorisch leider der Fall ist, bedeutet das natürlich nicht, dass Wildfleisch nicht im landläufigen Sinne des Wortes ‚bio‘ ist – es lässt sich schlicht nicht verbindlich belegen. Dabei ist das Wild aus dem Wald dem Bio-Gatterwild sicherlich nicht ‚unterlegen‘, im Gegenteil: Gatterwild ist fetter und ob die Haltungsbedingungen sind bestenfalls diskutabel. Der Prozess nach der Schlachtung oder dem Schuss im Wald ist natürlich vergleichbar. Kontrollen durch Amtstierärzte, Wildverarbeiter und Lebensmittelkontrollbehörden sorgen für eine Fleischqualität die dem Standard der Fleischindustrie in jedem Fall überlegen ist. Sie bleibt fernab der Belastungen der Lebensmittelindustrie mit ihren Antibiotika-übersättigten Futtermitteln und anderen ‚Schweinereien‘.

Wildfleisch aus dem Wald stammt prinzipienbedingt aus einer urtümlicheren Herkunft, wodurch es sich leider den Bio-Standards entzieht. Doch gleichzeitig ist es eben auch ein hervorragendes Fleisch, das durch einen intensiven Geschmack besticht und dabei extrem mager und tierwohlfreundlich ist.

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